Was heißt literarisches Übersetzen?

Sie wollen wissen, wie das mit dem Übersetzen so funktioniert …? Dazu braucht man Mut, die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, und Durchhaltevermögen. Nun ja, nicht viel anders als in den meisten anderen Jobs. Man betritt den Dschungel der Sprache, allerdings bin ich der ständigen Gefahr ausgesetzt, dass mein Stubentiger über die Tastatur spaziert oder sich gar darauf niederlässt. Sie haben ja keine Ahnung, wie viele Zeitungsartikel meine kleine Wickie schon geliked hat – oder auch nicht. Ich sehe es immer nur an der Meldung „Vielen Dank für Ihre Bewertung“.
Die Übersetzungskurse während des Studiums habe ich immer gehasst, zu viel Grammatik. Damals hätte ich nie gedacht, dass mir das einmal Freude bereitet. Es ist gut zu wissen, was ein transitives Verb ist und wann es intransitiv ist. Oder Gerundien!? Ja, Gerundien! Übersetzen heißt ständige Recherche, man lernt seine Grenzen kennen. Wie bringe ich einen Sprengsatz an einem Fahrstuhl an? Was ist ein Flexitank, und wie funktioniert das amerikanische Rechts- oder Bildungssystem? Was hat George Washington so getrieben? Es ist von Vorteil, wenn man neugierig ist und seinen Horizont erweitern möchte.
Bei uns ist der Sprachunterricht kommunikativ ausgerichtet, entsprechend leicht fällt es mir, Dialoge zu übersetzen. Landschaftsschilderungen können dagegen ganz schön anstrengend sein. Wie beschreibt man verkrüppelte Kiefern, einen schneebedeckten Berggipfel, über dem sich die Wolken türmen, einen halb fertigen Wolkenkratzer, eine neogotische Universität, eine Klosterruine im Nebel? Oder wie fliegt man einen Hubschrauber? (Theoretisch hab ich's mittlerweile beinahe drauf.)
Kampfszenen gehen mir leicht von der Hand, allerdings muss ich ständig nachschlagen, weil ich meist nur die japanischen Ausdrücke kenne (ich betreibe seit über 40 Jahren Karate), im Deutschen will man allerdings englische Ausdrücke hören, die jedoch meist denglisch sind und eben nicht englisch. Das heißt, man muss die Leserschaft im Blick haben. Das Wort „ungeschlacht“ verwende ich nicht, weil es keiner mehr kennt.
Wichtiger als die Wortbedeutung, die mir ja in der Regel bekannt ist, ist der Sprachgebrauch. Man muss sich regelrecht freischwimmen, ein Beispiel: In der Schlegel-Tieck-Übersetzung von Shakespeares Romeo und Julia heißt es an einer Stelle, an der Romeo zwei Knechten begegnet: „Verzagte Knappen!“ Ein moderner Übersetzer machte daraus: „Ihr feigen Schwuchteln!“ Ich muss mich in den Autor hineinversetzen, aber auch in den Leser. Das gelingt mir, glaube ich, ganz gut, weil ich ziemlich durchschnittlich bin. Man braucht ein gewisses erzählerisches Talent, muss aber bereit sein, hinter den Autor zurückzutreten.
Alles fing an mit Gedichtübersetzungen, meine Dissertation verfasste ich über Shakespeares Sonette, das wohl kryptischste Kunstwerk des Abendlandes. Heute befasse ich mich überwiegend mit den Genres Action, Thriller etc.
Alexander Amberg

Von Lyrik über Erzählungen und Kurzgeschichten bis hin zu spannungsgeladenen Romanen habe ich schon viele Genres übersetzt, darunter auch Predigten und Briefe. Vorwiegend allerdings Horror, Fantasy, Crime und Action Thriller. Am leichtesten gehen mir philosophische und literaturtheoretische Texte von der Hand. Im Folgenden eine Auswahl meiner Arbeiten:

 

Romanübersetzungen für den Festa Verlag, Leipzig:

William R. Forstchen: One Year After - Die Welt ohne Strom

William R. Forstchen: The Final Day - Die Welt ohne Strom

Ben Coes: Power Down – Zielscheibe USA

Ben Coes: Ein Tag zum Töten

Ben Coes: First Strike – Geiselnehmer

Ben Coes: Trap the Devil - Verschwörung

John Gilstrap: Keine Gnade – Ein Jonathan Grave Thriller

John Gilstrap: Hostage Zero – Menschenhändler

Craig Johnson: Longmire – Gute Taten rächen sich

F. Paul Wilson: Das Kastell, Fantastischer Thriller

F. Paul Wilson: Panacea – Ein Thriller

Brad Thor: Der Pfad des Mörders

Matthew Fitzsimmons: The Short Drop – Ein bitterer Tod

Brad Taylor: Mann in Wut

Brad Taylor: All Necessary Force – Todeszone USA

Brad Taylor: Von Feinden umzingelt

Ramsey Campbell: Der Wahnsinn aus der Gruft – Cthulhu Mythos-Geschichten

Ramsey Campbell: Die Offenbarungen des Glaaki – Ramsey Campbells beste Erzählungen zum Cthulhu-Myhtos

John Everson: Ligeia – ein erotischer Horrorthriller

Bryan Smith: Todesgeil – Psychothriller

Nancy Kilpatrick: Kind der Nacht

Richard Marsh, Der Skarabäus

Brian Lumleys Necroscope-Reihe im Hardcover:

Necroscope XII: Entweiht

Necroscope X: Vampirzorn

Necroscope IX: Werwolfsjagd

Necroscope VIII: Blutfürsten

Necroscope VII: Totenbeschwörung

Necroscope VI: Dämonenhass

Necroscope V: Todessaat

Necroscope als Taschenbuch:

Necroscope 12: Blutkuss

Necroscope 14: Grabgesang

Necroscope 16: Vampirwelt

Necroscope 17: Nestors Rache

Necroscope 18: Metamorphose

Necroscope 19: Vormulac

Necroscope 20: Schlacht der Vampire

Necroscope 21: Blutkrieg

Necroscope 22: Vampire schlafen nie

Necroscope 23: Hund der Nacht

Necroscope 24: Verfluchtes Blut

 

Für den CORA-Verlag, Hamburg:

Alan Durant: Abgelehnt! – Mystery Thriller

 

Kurzgeschichten und Erzählungen

Von Weird Tales bis Bizarro Fiction übersetzte ich zahllose Kurzgeschichten und Erzählungen für Sammelbände und Zeitschriften. Hier eine Auswahl:

Michael Marshall Smith, „Der Mann, der Katzen zeichnete“, in: Omen, Das Horror-Journal Nr. 1 (Leipzig, 2003), S. 138-155.

D. R. Smith, „Warum Abdul Al Hazred dem Wahnsinn verfiel“, in: Frank Festa (Hrsg.), Der Cthulhu-Mythos 1917-1975 (Almersbach, 2003), S. 158-163.

Ramsey Campbell, „Die Kirche in der High Street“, in: Frank Festa (Hrsg.), Der Cthulhu-Mythos 1917-1975 (Almersbach, 2003), S. 164-182.

F. Paul Wilson, „Eine Halloween-Überraschung“, in: Frank Festa (Hrsg.), Necrophobia – Meister der Angst (Leipzig, 2005), S. 111-136.

Alice Olsen, „Winternacht“, in: Frank Festa (Hrsg.), Denn das Blut ist Leben – Geschichten der Vampire (Leipzig, 2007), S. 202-206.

Anonymus, „Die Vampirkatze von Nabeshima“, in: Frank Festa (Hrsg.), Denn das Blut ist Leben – Geschichten der Vampire (Leipzig, 2007), S. 255-264.

Hugh B. Cave, „Stragella“, in: Frank Festa (Hrsg.), Denn das Blut ist Leben – Geschichten der Vampire (Leipzig, 2007), S. 265-295.

P. N. Elrod, „Spätvorstellung“, in: Frank Festa (Hrsg.), Denn das Blut ist Leben – Geschichten der Vampire (Leipzig, 2007), S. 320-337.

Brian Lumley, „Fruchtkörper“, in: Frank Festa (Hrsg.), Zart wie Babyhaut und andere Horrorgeschichten – Necrophobia, Meister der Angst Bd. 3 (Leipzig, 2010), S. 117-152.

Carlton Mellick III., „Porno im August“, in: Frank Festa (Hrsg.), Zart wie Babyhaut und andere Horrorgeschichten – Necrophobia, Meister der Angst Bd. 3 (Leipzig, 2010), S. 365-387.

gemeinsam mit Malte S. Sembten u.a.: Clark Ashton Smith, Die Stadt der Singenden Flamme - Gesammelte Erzählungen Band 1 (Leipzig, 2011).

Ramsey Campbell, „Die Kirche in der High Street“, in: Stephen Jones (Hrsg.), Schatten über Innsmouth (Leipzig, 2015), S. 259-276.