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Filmkritik: „Das Relikt“

Grusel im Museum

Düster flackert ein Feuer im brasilianischen Urwald. Der Schamane mischt den Zaubertrank, während halbnackte Männer ihn immer wilder umtanzen. Der Anthropologe, der die tanzenden Indianer eben noch fotografierte, nimmt einen Schluck, bevor sein Gesichtsausdruck nacktes Entsetzen spiegelt. Szenenwechsel. So beginnt Peter Hyams Thriller „Das Relikt“. Nach „Outland - Planet der Verdammten“ und „2010“ wandte der Regisseur sich 1997 dem Horror-Genre zu, um ein Monster zu kreieren, das im Gefolge von „Alien“ sein Unwesen im naturgeschichtlichen Museum von Chicago treibt. Durch Veränderung der DNS in Südamerika entstanden und gierig nach Hormonen, reißt es seinen Opfern buchstäblich den Kopf ab, um an den Hypothalamus zu gelangen. Gruselig, fürwahr.

Irgendwie ist der Stoff bekannt. „Das Ungeheuer vom Amazonas“ und „Godzilla“ lassen grüßen, „Alien“ sowieso, und das im Zusammenhang mit geklonten Schafen wieder heißdiskutierte Thema DNS hat spätestens mit „Jurassic Park“ Einzug in das Genre gehalten. An das „Beauty and the Beast“-Motiv fühlt man sich erinnert, wenn das Ungeheuer, statt sie zu töten, der Evolutionsbiologin Dr. Green das Gesicht leckt. Aber was bei „King Kong“ rührend wirkte, ist angesichts des sabbernden Monsters allenfalls ekelhaft.

Die Versatzstücke sind gekonnt gemischt, dazu eine Prise Thriller- und ein paar Katastrophenelemente - fertig ist der Monsterfilm von der Stange. Die Verbindung zwischen dem gehirneschlürfenden Reptil und dem Relikt aus dem brasilianischen Regenwald, einer in Blätter eingepackten indianischen Steinfigur, verstehen wahrscheinlich nur Biologen, die die Verquickung von tierischer und pflanzlicher DNS im Packmaterial nachvollziehen können. Aber so ist das nun mal mit dem High Tech-Horror. Er verlangt ein Maß an Allgemeinbildung, über das am Ende des 20. Jahrhunderts nur hochspezialisierte Wissenschaftler oder zwölfjährige Computergenies verfügen.

Was soll’s, das Filmblut spritzt gleich literweise, auch wenn der Streifen schon ab 16 freigegeben ist, und irgendwie muß die Handlung ja in Gang kommen. Action jedenfalls bietet „Das Relikt“ zur Genüge, und wen die plakative Schwarzmalerei in der Charakterisierung der Figuren nicht stört, kommt sicher auf seine Kosten.

Alexander Amberg